Im August 2026 war über Deutschland eine partielle Sonnenfinsternis mit bis zu etwa 90 % Bedeckung zu beobachten. So ein Ereignis kann man sich nicht entgehen lassen, zumal es direkt zum Sonnenuntergang stattfand. Das war ein wirklich besonderes Erlebnis. Die maximale Bedeckung wurde für 20:14 Uhr vorausgesagt, nur wenige Minuten vor Sonnenuntergang. Eine erhöhte Position gegenüber der Umgebung war also wichtig.
Mein erster Plan war, auf den Aussichtsturm am Hirschenstein (übrigens ein tolles Wanderziel) zu laufen und von dort aus die Finsternis zu beobachten. Da auch Freunde und Familien mit kleineren Kindern daran teilhaben sollten, habe ich den Plan recht schnell wieder verworfen. Der kürzeste Weg dorthin war fast drei Kilometer lang, führte durch den Wald und ging steil bergauf. Der Hinweg allein wäre kein Problem gewesen, aber der Rückweg im Dunkeln hätte es in sich gehabt.

Nach kurzer Überlegung und mit der Planungshilfe von eclipsefan.org bot sich der Bogenberg an. Im Westen gab es zum Sonnenuntergang freie Sicht auf eine schöne Hügelkette. Außerdem lag der Parkplatz direkt an der Kirche auf der Spitze des Hügels, sodass dunkle Wege kein Problem waren.

Mit dieser Idee war ich nicht allein. Der Bogenberg wurde an diesem Tag auch im Radio als guter Beobachtungsort genannt. Wir waren gut anderthalb Stunden vorher dort und bekamen gerade noch einen Parkplatz. Dort angekommen, versuchte ich mit PhotoPills, den genauen Untergangspunkt der Sonne zu berechnen, um einen guten Standort für das Stativ zu finden. Viel war nicht mehr frei, zahlreiche Picknickdecken waren bereits ausgebreitet.
Die eigentlichen Fotos nahm ich zunächst mit einer Sonnenfinsternisbrille auf, die ich vor das Objektiv hielt. Ich hatte keinen speziellen Sonnenfinsternis-Filter gekauft, da ich davon ausging, dass am Abend beziehungsweise zum Sonnenuntergang ein normaler ND-Filter ausreichen würde. Doch selbst die Kombination aus einem ND-1000- und einem ND-64-Filter reichte zu Beginn der Finsternis bei Weitem nicht aus. Die beiden Filter erzeugten außerdem zahlreiche Reflexionen.

Mit zunehmender Bedeckung sank die Sonne weiter zum Horizont, und das Fotografieren wurde allmählich einfacher. Der Übergang zum Sonnenuntergang verlief allerdings langsamer als gedacht. Bei einer Sonnenfinsternis am Tag, insbesondere um die Mittagszeit, lohnt sich jedenfalls die Investition in einen richtigen Sonnenfinsternis-Filter.
Während sich die Finsternis dem Höhepunkt näherte, entstand eine surreale Stimmung: Die Kontraste waren hart, und die Schatten wirkten klar definiert wie am Tag, obwohl es deutlich dunkler war.
Danach ging die Lichtstimmung in einen normalen Sonnenuntergang über, den ich ganz zum Schluss auch ohne Filter gut fotografieren konnte.
Der einzige Unterschied: Die Sonne war eine Sichel. Ein wirkliches Erlebnis!

Die Schätzung der App für den genauen Untergangspunkt war nur mäßig genau, aber am Ende auch unerheblich. Alle Zuschauer waren auf der Suche nach dem besten Platz und liefen durcheinander. An gute Aufnahmen mit einem Stativ war nicht mehr zu denken. Ich fotografierte schließlich aus der Hand. Das funktionierte am besten.
Beim Sichten der Fotos kam mir die Idee für die Komposition des Titelbilds. Zum Glück zeigte eines der letzten Fotos einen ausreichend großen Bildausschnitt, sodass ich die einzelnen Sonnenaufnahmen in Photoshop in einem schönen Bogen anordnen konnte.

