Allgemein Technik

Fujifilm-Profile für alle

„Astia“, „Classic Chrome“, „Provia“ und „Velvia“ als Lightroom-Profil für alle Kameras

Fujifilm-Kameras sind bekannt für ihre schöne Farbwiedergabe, insbesondere wenn eines der „Film-Simulation“-Profile, wie z. B. Astia, Provia, Velvia oder Classic Chrome verwendet wird. Je nach Situation ist dann nur noch sehr wenig Nachbearbeitung nötig um z. B. wirklich ansprechende Hauttöne zu erzielen.

Schon seit Lightroom 3 ist es möglich, DCP-Profile (die anderswo auch „LUT“ genannt werden, anzuwenden um ein RAW-Foto mit gewissen Grundvoreinstellungen zu entwickeln. Aber mit Lightroom 7.3 im Mai 2018 hat Adobe das Feature grundlegend überarbeitet, vom Reiter „Kamerakalibrierung“ in die Grundeinstellungen verschoben und leichter benutzbar gemacht. Bei Fujifilm-Kameras gibt es die oben genannten Filmsimulationen als Kamera-spezifische Profile zur Auswahl.

Seit kurzem bin ich auch Besitzer einer Sony RX100 IV. Eine tolle kleine Kamera mit wirklich beeindruckender Bildqualität, gerade wenn man nicht viel Equipment mit sicher herumschleppen möchte.

Aber von Anfang an hatte ich, gerade bei suboptimalem Licht, immer Probleme die Farben im Bild so hinzubekommen, wie ich sie mir vorstellte. Die Bilder bedurften immer einiger Nacharbeit, während bei der Fuji oft schon die Auswahl des richtigen Profiles die halbe Miete ist. Also warum die Fujifilm-Profile nicht einfach auf die Sony-Kamera anwenden?

Kurze Antwort: Ganz so einfach ist es nicht.

Die ersten Recherchen ergaben hauptsächlich große Pakete mit hunderten oder gar tausenden Presets zu gar nicht so kleinen Preisen – gar nicht das wonach ich gesucht habe.

Oft ist auch nicht besonders klar, ob es sich tatsächlich um DCP-Profile handelt, oder doch tatsächlich nur Presets für die sonstigen Regler, die Lightroom zur Verfügung stellt.

Diese „Profile“ sind technisch eigentlich „DNG Camera Profiles“ (daher das Kürzel DCP). Diese sind, wie der Name schon sagt, auf die Hardware einer Kamera abgestimmt und sorgen dafür, das die rohen Pixeldaten richtig interpretiert auf einem Bildschirm dargestellt werden können. An dieser Stelle lässt sich mithilfe von Tonkurven und Lookup-Tabellen ein spezifischer Look (z. b. „natürlich“, „klar“, „lebendig“ bei Sony oder eben „Astia“, „Velvia“, „Provia“ bei Fuji) erzielen – Für mehr Details sei auf die Erklärungen auf der dcptool-Webseite verwiesen.

In einem Github-Repository fanden sich schließlich einige vielversprechend aussehende Dateien. Neben Lookup-Tabellen / Tonkurven für die Fuji-Profile auch fertige Profile für die X-T1 und die Panasonic GH-3.

Ebenfalls enthalten ist eine Anleitung, wie man sich in manueller Kleinarbeit ein neues Profil für seine Kamera basteln kann.

Einge Experimente später hatte ich dann vier zufriedenstellend funktionierende Profile für die RX100 erstellt.

Sony RX100 IV

Der Aufwand ist allerdings nicht zu unterschätzen, und beim manuellen Editieren von 20.000 Zeilen langen XML-Dateien unterlaufen einem leicht Fehler.

Also warum das ganze nicht automatisieren?

Die notwendigen Zutaten

  • Die „Adobe Standard“ dcp Profile die Lightroom von Haus aus mitbringt als Grundlage
  • das dcptool um zwischen dcp und xml wandeln zu können
  • Die Lookup-Tabelle und Tonkurven für die 4 Profile aus dem Repository

Das Konvertierungsskript muss nichts weiter tun als die Ausgangsprofile nach XML zu wandeln, die Lookup-Tabelle, Tonkurven, Namen und einige weitere Einstellungen zu verändern und das resultierende Profil wieder zurück nach xml zu wandeln. Das ganze ist ein einfaches Powershell-Skript (unter Windows lauffähig), einerseits da die Powershell sehr gut mit XML umgehen kann, und andererseits weil ich mich schon länger etwas näher damit auseinander setzen wollte.

Das Skript selbst ist auf meinem Fork des Repositories auf Github zu finden, zusammen mit .dcp Profilen für über 700 verschiedene Kameras (Stand: Juli 2019), die im Release-Tab zum Download bereit stehen.

Es ist schwierig zu testen, ob die Profile wirklich alle funktionieren, aber auf https://raw.pixls.us/ gibt es eine große Anzahl an Creative-Commons Zero lizensierter RAW-Bilder, die vor allem für die Entwicklung von RAW-Konvertern verwendet werden. Aus diesen habe ich zufällig einige RAW-Bilder verschiedener Kameras ausgewählt und die Profile angewendet:

Nikon Z7

Sony ILCE9 / Alpha 9:

Panasonic GH3

Canon EOS 5D Mark III

Die Ergebnisse sehen ganz zufriedenstellend aus!

Importiert werden können die Profile ganz einfach sowohl in Lightroom Classic als auch in Lightroom CC über den Menüpunkt „Datei > Entwicklungsprofile und Vorgaben importieren“. Einfach die .dcp Dateien aus dem unterordner der gewünschten Kamera auswählen und importieren.

Wichtig: Wer mit Lightroom CC und Classic simultan arbeitet, muss die Profile auch in *beiden* Anwendungen importieren, ansonsten werden die Bilder falsch dargestellt und das ausgewählte Profil geht beim Bearbeiten verloren.

Ich hoffe, der Eine oder Andere findet die Profile nützlich. Falls es mit einer bestimmten Kamera Probleme gibt, könnt ihr ja einen Kommentar hinterlassen oder ein Issue auf Github eröffnen.

4 Kommentare

  1. Vielen Dank! Es funktioniert gut mit meiner Z6 und die Ergebnisse sind wirklich sehr ähnlich zu Fuji SOOCs!

  2. Toll, danke für den Tipp! Das klappt hervorragend.

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